Marga Faulstich

Marga Faulstich (* 16. Juni 1915 in Weimar; † 1. Februar 1998 in Mainz) war eine deutsche Glaschemikerin. 44 Jahre lang arbeitete sie für die Schott-Glaswerke und erarbeitete in dieser Zeit über 300 Typen optischer Gläser. An die 40 Patente tragen ihren Namen. Sie war außerdem die erste weibliche Führungskraft bei Schott-Glas.

Leben und Werk

Marga Faulstich wurde in Weimar als eines von drei Kindern geboren. 1922 zog die Familie nach Jena, wo Marga Faulstich das Realgymnasium besuchte. Nach ihrem Abitur 1935 begann sie eine Ausbildung als wissenschaftliche Hilfskraft bei Glaswerk Schott, einem der führenden Hersteller optischer und technischer Spezialgläser in Europa. In ihren ersten Jahren arbeitete sie an der Entwicklung der so genannten dünnen Schichten mit. Die damals getätigte Grundlagenforschung wird noch heute für Sonnenbrillen, entspiegelte Brillengläser oder für Glasfassaden verwendet.

Die begabte junge Frau machte schnell Karriere: von der Hilfskraft zur Laborantin, zur wissenschaftlichen Assistentin und schließlich zur Wissenschaftlerin. Ihr Verlobter starb im Zweiten Weltkrieg und von da an konzentrierte sie sich nur noch auf ihre Karriere. Ab 1942 studierte sie berufsbegleitend Chemie. Dieses Studium konnte sie nicht zu Ende bringen, da sich die Situation nach dem Zweiten Weltkrieg grundlegend veränderte. Jena gehörte zur sowjetischen Besatzungszone. In Jena war jedoch die fortschrittlichste Glasmacherkunst der Welt angesiedelt und die westlichen Alliierten wollten dieses Know-How für sich nutzen. Deshalb wurden 41 Spezialisten und Führungskräfte von Schott in den westlichen Sektor gebracht, darunter auch Marga Faulstich.

Für die Schott-Leute wurde 1949 in Landshut ein neues Forschungslabor gebaut, wo sie ihre Arbeit fortsetzen sollten. Nachdem jedoch die Teilung Deutschlands 1949 beschlossene Sache und das Werk in Jena 1948 enteignet wurde, beschlossen die "41 Glasmacher" von Schott, in Mainz ein neues Hauptwerk zu bauen.

1952 wurde das neue Werk am Rande der Mainzer Neustadt eröffnet. Hier konnte sich Marga Faulstich der Forschung und der Entwicklung neuer optischer Gläser, insbesondere für Objektive an Mikroskopen und Ferngläsern widmen. Neben der Forschung leitete Marga Faulstich eine Tiegelschmelze.

Internationale Anerkennung bekam Marga Faulstich für die Erfindung des Leichtgewichts-Brillenglas SF 64, für die sie 1973 geehrt wurde. 1979 trat sie nach 44 Jahren Tätigkeit bei Schott in den Ruhestand. Die folgenden Jahre verbrachte sie mit Reisen in ferne Länder, hielt aber auch immer noch Vorträge und Referate auf Glas-Kongressen. Am 1. Februar 1998 starb sie 82-jährig in Mainz.

Literatur

  • Schott Glaswerke (Hrsg.): Von Jena nach Mainz – und zurück. Schott-Geschichte zwischen Kaltem Krieg und deutscher Wiedervereinigung. Mainz 1995. Download (1.7 MB)

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die letzten News aus den Naturwissenschaften

28.04.2021
Galaxien - Sterne
Die Entdeckung von acht neuen Millisekunden-Pulsaren
Eine Gruppe von Astronomen hat mit dem südafrikanischen MeerKAT-Radioteleskop acht Millisekunden-Pulsare entdeckt, die sich in Kugelsternhaufen mit hoher Sterndichte befinden.
07.04.2021
Teilchenphysik
Handfeste Hinweise auf neue Physik
Das Fermilab (USA) hat heute erste Daten aus dem Myon g-2 Experiment veröffentlicht, welche die Messwerte des gleichnamigen, 2001 durchgeführten Experiments am Brookhaven National Laboratory bestätigen.
19.04.2021
Exoplaneten
Neuer Exoplanet um jungen sonnenähnlichen Stern entdeckt
Astronomen aus den Niederlanden, Belgien, Chile, den USA und Deutschland bilden neu entdeckten Exoplaneten „YSES 2b“ direkt neben seinem Mutterstern ab.
01.04.2021
Teilchenphysik
Myon g-2: Kleines Teilchen mit großer Wirkung
Das Myon g-2-Experiment des Fermilab in den USA steht vor einem Sensationsmoment, der die Geschichte der Teilchenphysik neu schreiben könnte.
01.04.2021
Planeten - Elektrodynamik - Strömungsmechanik
Zwei merkwürdige Planeten
Uranus und Neptun habe beide ein völlig schiefes Magnetfeld.
30.03.2021
Kometen_und_Asteroiden
Der erste interstellare Komet könnte der ursprünglichste sein, der je gefunden wurde
Neue Beobachtungen mit dem Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) deuten darauf hin, dass der abtrünnige Komet 2I/Borisov einer der ursprünglichsten ist, die je beobachtet wurden.
25.04.2021
Raumfahrt - Astrophysik - Teilchenphysik
Erstmals Atominterferometer im Weltraum demonstriert
Atominterferometer erlauben hochpräzise Messungen, indem sie den Wellencharakter von Atomen nutzen.
25.03.2021
Quantenoptik
Sendungsverfolgung für eine Quantenpost
Quantenkommunikation ist abhörsicher, aber bislang nicht besonders effizient.
24.03.2021
Schwarze_Löcher - Elektrodynamik
Astronomen bilden Magnetfelder am Rand des Schwarzen Lochs von M 87 ab
Ein neuer Blick auf das massereiche Objekt im Zentrum der Galaxie M 87 zeigt das Erscheinungsbild in polarisierter Radiostrahlung.
24.03.2021
Astrophysik
Die frühesten Strukturen des Universums
Das extrem junge Universum kann nicht direkt beobachtet werden, lässt sich aber mithilfe mathematischer Theorien rekonstruieren.