Laborjournal

Erweiterte Suche

Dieser Artikel beschreibt ein Laborjournal als Notizbuch zur Dokumentation wissenschaftlicher Arbeit. Für die gleichnamige Zeitschrift, siehe Laborjournal (Zeitschrift).
Laborjournal von Otto Hahn, 1938

Datei:Lab notebook for A Test of the Coordinated Expression Hypothesis for the Origin and Maintenance of the GAL Cluster in Yeast.pdf

Ein Laborjournal oder Laborbuch ist ein Notizbuch, in dem die Planung, Durchführung und Auswertung von wissenschaftlichen Experimenten dokumentiert wird. Da die Zuerkennung einer wissenschaftlichen Entdeckung oder eines Patents (in einigen Ländern, z. B. in den USA) davon abhängen kann, wer als erster eine Entdeckung oder Erfindung gemacht hat, gibt es strenge Regeln, wie ein Laborjournal zu führen ist, wobei vom Arbeitgeber bzw. von der Hochschule auch abweichende Regelungen getroffen werden können. Im Allgemeinen sollte aber so verfahren werden:

  1. Ein Laborjournal ist eine gebundene Kladde; in der Regel mit durchnummerierten Seiten und keine lose Blattsammlung. Es ist eine chronologische Dokumentation der wissenschaftlichen Tätigkeit. Da häufig mehrere Experimente parallel (und über mehrere Tage) durchgeführt werden, erleichtert die Durchnummerierung der Seiten den Querverweis zwischen Experimenten.
  2. Die Eintragungen sollten mit dokumentenechter Tinte (z. B. einem Kugelschreiber) vorgenommen werden, die Verwendung von Bleistiften ist ausgeschlossen. Die Aufzeichnungen sollen so detailliert sein, dass sie für eine Person mit Fachwissen nachvollziehbar sind und ggf. wiederholt werden könnten (z. B. auch von Kollegen während der Journalführer im Urlaub oder krank ist).
  3. Das Laborjournal sollte während oder im unmittelbaren Anschluss des Versuches geschrieben werden, damit wichtige Details und Beobachtungen nicht vergessen werden.
  4. Messwerte und Rechnungen sollten direkt ins Laborjournal notiert werden. Dies vermeidet Fehler, die sich durch Abschreiben einschleichen könnten.
  5. Sofern möglich, sollten Rohdaten in Form von Schreiberausdrucken, Fotografien, Röntgenfilmen etc. ins Laborjournal eingeklebt werden. Bei Datensammlungen, die nicht ins Laborjournal passen (z. B. Computerdateien oder weil der Datenumfang zu groß ist), sollte ein Vermerk gemacht werden, wo die Originaldaten archiviert sind, um das Auffinden zu erleichtern.
  6. Schreib- und Rechenfehler sollten durchgestrichen (nicht geschwärzt) werden und nicht mit TippEx unkenntlich gemacht werden. Es sollte stets erkennbar bleiben, welche Buchstaben/Zahlen vorher dort standen. Das Korrekturdatum sollte daneben notiert und mit einer Paraphe versehen werden.
  7. Ist ein Laborjournal vollgeschrieben, sollte ein Inhaltsverzeichnis angelegt werden. Beim späteren Nachschlagen sieht man dann sofort, an welchen Projekten während der Laufzeit des Journals gearbeitet wurde und wo die Einzelbeiträge zu den Projekten zu finden sind.
  8. Überschriften (vorzugsweise mit Projekt-/Versuchsnummer) machen die Dokumentation übersichtlich.

Manche Hochschulen oder Firmen verlangen noch Folgendes:

  • Jede Seite ist mit dem Datum zu versehen und vom Experimentator zu unterschreiben. Ein unabhängiger Zeuge bekundet mit seiner Unterschrift, dass die Aufzeichnungen nachvollziehbar und vollständig sind. Wird eine Seite nicht vollständig beschrieben, ist der nicht benutzte Seitenrest diagonal durchzustreichen.
  • Entdeckt man einen Fehler auf einer weiter zurückliegenden Seite, darf man diesen nicht dort korrigieren, sondern muss auf der aktuellen Seite einen Verweis machen; ggf. muss man ausführen, welche Konsequenzen dieser Fehler für die nachfolgende Arbeit hat.

Elektronisches Laborbuch (ELN)

Das Laborjournal wird zunehmend mit Hilfe eines Computers geführt. Dadurch wird das Laborpersonal besonders vom ständigen Aufschreiben der Messwerte entlastet und durch Zusatzfunktionalitäten unterstützt. Ein computergestütztes Laborjournal, oder auch elektronisches Laborbuch (ELN), bietet wesentliche Vorteile: Ablese- und Schreibfehler werden vermieden, eine Suchfunktion ermöglicht die schnelle Suche nach Experimenten, Ergebnissen usw. und die fälschungssichere Ablage mit elektronischer Signatur ist möglich. Versuchsparameter, Messdaten und ausgewertete Ergebnisse werden in Protokollblättern mit Tabellen, Textfeldern und xy- oder xt-Diagrammen präsentiert. Das computergestützte Laborjournal ist meist in eine Laborautomatisierungssoftware integriert. Außerdem ist es möglich durch entsprechende Datenbanksysteme die Eintragungen im Laborjournal allen Mitarbeitern einfach zur Verfügung zu stellen, wobei oft für die anderen oder für alte Daten nur eine Leseberechtigung besteht, was ein versehentliches Löschen der Daten verhindert.

Zitierte Quellen

  1. : A Test of the Coordinated Expression Hypothesis for the Origin and Maintenance of the GAL Cluster in Yeast. In: PLoS ONE. 6, Nr. 9, 2011, S. e25290. doi:10.1371/journal.pone.0025290. PMID 21966486. Volltext bei PMC: 3178652.

Weblinks

 Commons: Laborjournals – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die letzten News aus den Naturwissenschaften

05.08.2021
Sonnensysteme - Exoplaneten
Superflares: für Exoplaneten weniger gefährlich als gedacht
Superflares, extreme Strahlungsausbrüche von Sternen, standen bisher im Verdacht, den Atmosphären und damit der Habitabilität von Exoplaneten nachhaltig zu schaden.
29.07.2021
Akustik - Optik - Wellenlehre
„Spin“ einer Nanoschallwelle erstmals in Echtzeit nachgewiesen
Einem deutsch-amerikanischen Forscherteam ist es gelungen, die rollende Bewegung einer Nanoschallwelle nachzuweisen. Diese hatter der Physiker und Nobelpreisträger Lord Rayleigh 1885 vorhergesagt.
27.07.2021
Monde - Thermodynamik
Wasserdampf-Atmosphäre auf dem Jupitermond Ganymed
Internationales Team entdeckt eine Wasserdampfatmosphäre auf der sonnenzugewandten Seite des Mondes Jupiter-Mondes Ganymed. Die Beobachtungen wurden mit Hubble-Teleskop gemacht.
27.07.2021
Quantenphysik - Thermodynamik
Der Quantenkühlschrank
An der TU Wien wurde ein völlig neues Kühlkonzept erfunden. Computersimulationen zeigen, wie man Quantenfelder verwenden könnte, um Tieftemperatur-Rekorde zu brechen.
27.07.2021
Klassische Mechanik - Physikdidaktik
Warum Bierdeckel nicht geradeaus fliegen
Wer schon einmal daran gescheitert ist, einen Bierdeckel in einen Hut zu werfen, sollte nun aufhorchen: Physiker der Universität Bonn haben herausgefunden, warum diese Aufgabe so schwierig ist.
23.07.2021
Quantenphysik - Biophysik
Topologie in der Biologie
Ein aus Quantensystemen bekanntes Phänomen wurde nun auch im Zusammenhang mit biologischen Systemen beschrieben: In einer neuen Studie zeigen Forscher dass der Begriff des topologischen Schutzes auch für biochemische Netzwerke gelten kann.
22.07.2021
Galaxien
Nadel im Heuhaufen: Planetarische Nebel in entfernten Galaxien
Mit Daten des Instruments MUSE gelang Forschern die Detektion von extrem lichtschwachen planetarischen Nebeln in weit entfernten Galaxien.
21.07.2021
Sonnensysteme - Sterne
Langperiodische Schwingungen der Sonne entdeckt
Ein Forschungsteam hat globale Schwingungen der Sonne mit sehr langen Perioden, vergleichbar mit der 27-tägigen Rotationsperiode der Sonne, entdeckt.
20.07.2021
Festkörperphysik - Thermodynamik
Ein Stoff, zwei Flüssigkeiten: Wasser
Wasser verdankt seine besonderen Eigenschaften möglicherweise der Tatsache, dass es aus zwei verschiedenen Flüssigkeiten besteht.
19.07.2021
Galaxien - Schwarze_Löcher
Ins dunkle Herz von Centaurus A
Ein internationales Forscherteam hat das Herz der nahegelegenen Radiogalaxie Centaurus A in vorher nicht erreichter Genauigkeit abgebildet.