Kernlokalisierungssignal

Das Kernlokalisierungssignal (auch Kernlokalisationssignal oder Kernlokalisierungssequenz, englisch nuclear localization signal, abgekürzt NLS) ist eine aus wenigen Aminosäuren bestehende Signalsequenz, die Proteine tragen, die in den Zellkern eingeschleust werden sollen.

Zellen höherer Lebewesen (Eukaryoten) besitzen einen Zellkern, dessen Kernmembran das Innere des Kerns (Karyoplasma) vom Zytoplasma trennt. Da alle Proteine im Zytoplasma hergestellt werden, müssen Proteine, die im Zellkern benötigt werden, in diesen eingeschleust werden. Dies geschieht durch Poren in der Kernmembran, so genannte Kernporen. Kleine Proteine bis etwa 40 kDa können durch die Poren passiv hindurchdiffundieren, während größere Proteine aktiv in den Kern transportiert werden müssen. Dies geschieht mit Helferproteinen, den sogenannten Importinen. Importine erkennen Kernlokalisationssignale, binden die entsprechenden Proteine und transportieren sie durch die Pore in den Zellkern. Die Energie für diesen Vorgang wird durch die Hydrolyse von GTP freigesetzt.

Das Signal selbst besteht aus einer einfachen bzw. zweifachen kurzen Sequenz, die zumeist positiv geladene Aminosäuren wie Lysin und Arginin enthält.

Die Replikation vieler Viren ist von Transportprozessen abhängig, die durch Kernlokalisierungssignale vermittelt werden. Nach der Infektion einer Zelle muss das virale Erbgut meist in den Zellkern transportiert werden. Nur hier befinden sich die Enzyme der Wirtszelle, die die Gene des Virus replizieren und transkribieren können. Die Virus-DNA ist deshalb an virale Proteine mit einem Kernlokalisierungssignal gebunden und wird auf diese Weise mit in den Zellkern importiert.

Die Kernlokalisierungssignalsequenz (PKKKRKV) wurde erstmals für das "SV40 large T-Antigen"-Protein des SV40 Virus beschrieben.[1]

Einzelnachweise

  1. Kalderon, D. et al. (1984): A short amino acid sequence able to specify nuclear location. In: Cell. 39 (3 Pt 2): 499–509. PMID 6096007 doi:10.1016/0092-8674(84)90457-4

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