John Gaddum

Wilhelm Feldberg, Henry Dale und John Gaddum (Gaddum rechts im Bild)

Sir John Henry Gaddum, KBE (* 31. März 1900 in Hale (Cheshire), England; † 30. Juni 1965) war ein britischer Physiologe und Pharmakologe. Er war Professor an der Universität Kairo, am University College London, am Londoner College of the Pharmaceutical Society und an der Universität Edinburgh sowie Leiter des Instituts für Tierphysiologie am Babraham Institut in Cambridge. Zu seinen wissenschaftlichen Verdiensten zählen die Beschreibung von Gesetzmäßigkeiten der komplexen Wechselwirkung von Agonisten und Antagonisten mit einem Rezeptor (Gaddum-Gleichung), die Entdeckung von Acetylcholin als Neurotransmitter und die Entdeckung unterschiedlicher Serotonin-Rezeptoren als Ursache für die vielfältigen Wirkungen des körpereigenen Botenstoffs Serotonin.

Werdegang

John Gaddum war das älteste Kind von Henry und Phyllis Gaddum. Er besuchte die „Miss Wallace's Day School“ in Bowdon (Cheshire) und später die „Moorland House School“ in Heswall. Von 1913 bis 1919 besuche er die Rugby School. Im Anschluss daran besuchte er das Trinity College in Cambridge um Mathematik und Physiologie zu studieren. Ein anschließendes Medizinstudium am University College London schloss er 1925 ab.

Seine ersten wissenschaftlichen Arbeiten verfasste er unter der Leitung von John William Trevan. Basierend auf den Ergebnissen dieser Arbeiten stellte John Gaddum später die nach ihm benannte Gaddum-Gleichung auf.[1] Von 1927 bis 1933 arbeitete er in der Forschergruppe des späteren Nobelpreisträgers Henry Dale am National Institute for Medical Research. In diesen Jahren entdeckte er zusammen mit Ulf von Euler die Substanz P und die Neurotransmitterfunktion des Acetylcholins.[2][3] Während dieser Zeit heiratete er auch Iris Mary Harmer. 1934 nahm er einen Ruf als Professor an die Universität Kairo an. Bereits 1935 wechselte er zurück an das University College London und drei Jahre später nahm er den Lehrstuhl für Pharmakologie am College of the Pharmaceutical Society in London an. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs war er in Porton Down, einer militärischen Forschungseinrichtung, tätig und trug nach Eintritt in die Army den Rang eines Temporary Lieutenant-Colonel. 1942 nahm er den Lehrstuhl der Materia Medica in Edinbourgh an, den er bis 1958 behielt. In dieser Zeit beschäftigte er sich insbesondere mit der Erforschung der Pharmakologie des Serotonins und des LSDs und scheute dabei nicht vor Selbstversuchen zurück.[4] 1957 entdeckte er, dass die vielfältigen Wirkungen des Serotonins durch verschiedene Serotoninrezeptoren vermittelt werden.[5] Die letzten Jahre seines Lebens, von 1958 bis 1965, war John Gaddum der Direktor des Instituts für Tierphysiologie des Babraham Institute in Cambridge.

Auszeichnungen und Ehrungen

Im März 1945 wurde ihm der Titel „Fellow of the Royal Society“ (FRS) von der Royal Society verliehen.[6] Ein Jahr vor seinem Tod wurde John Gaddum zum Knight Commander of the Order of the British Empire (KBE) geschlagen. 1965 verlieh ihm die Universität Edinburgh die Ehrendoktorwürde.

Einzelnachweise

  1. Gaddum J.H.: The quantitative effects of antagonistic drugs. In: J. Physiol.. 89, S. 7P-9P.
  2. von Euler U.S., Gaddum J.H.: An unidentified depressor substance in certain tissue extracts. In: J. Physiol. (Lond.). 72, Nr. 1, Juni 1931, S. 74–87. PMID 16994201. Volltext bei PMC: 1403098.
  3. von Euler U.S., Gaddum J.H.: Pseudomotor contractures after degeneration of the facial nerve. In: J. Physiol. (Lond.). 73, Nr. 1, September 1931, S. 54–66. PMID 16994228. Volltext bei PMC: 1394399.
  4. Pohancenik R.: Pharmacology and war: the papers of Sir John Henry Gaddum (1900–65). In: Notes Rec. R. Soc.. 61, Nr. 3, 2007, S. 347-348. doi:10.1098/rsnr.2007.0186.
  5. Gaddum J.H., Picarelli Z.P.: Two kinds of tryptamine receptor. In: Br J Pharmacol Chemother. 12, Nr. 3, September 1957, S. 323–8. PMID 13460238. Volltext bei PMC: 1509685.
  6. Liste der Fellows der Royal Society (englisch)

Literatur

Weblinks

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die letzten News aus den Naturwissenschaften

01.04.2021
Teilchenphysik
Myon g-2: Kleines Teilchen mit großer Wirkung
Das Myon g-2-Experiment des Fermilab in den USA steht vor einem Sensationsmoment, der die Geschichte der Teilchenphysik neu schreiben könnte.
01.04.2021
Planeten - Elektrodynamik - Strömungsmechanik
Zwei merkwürdige Planeten
Uranus und Neptun habe beide ein völlig schiefes Magnetfeld.
30.03.2021
Kometen_und_Asteroiden
Der erste interstellare Komet könnte der ursprünglichste sein, der je gefunden wurde
Neue Beobachtungen mit dem Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) deuten darauf hin, dass der abtrünnige Komet 2I/Borisov einer der ursprünglichsten ist, die je beobachtet wurden.
25.04.2021
Raumfahrt - Astrophysik - Teilchenphysik
Erstmals Atominterferometer im Weltraum demonstriert
Atominterferometer erlauben hochpräzise Messungen, indem sie den Wellencharakter von Atomen nutzen.
25.03.2021
Quantenoptik
Sendungsverfolgung für eine Quantenpost
Quantenkommunikation ist abhörsicher, aber bislang nicht besonders effizient.
24.03.2021
Schwarze_Löcher - Elektrodynamik
Astronomen bilden Magnetfelder am Rand des Schwarzen Lochs von M 87 ab
Ein neuer Blick auf das massereiche Objekt im Zentrum der Galaxie M 87 zeigt das Erscheinungsbild in polarisierter Radiostrahlung.
24.03.2021
Astrophysik
Die frühesten Strukturen des Universums
Das extrem junge Universum kann nicht direkt beobachtet werden, lässt sich aber mithilfe mathematischer Theorien rekonstruieren.
23.03.2021
Supernovae - Teilchenphysik
Können Sternhaufen Teilchen höher beschleunigen als Supernovae?
Ein internationales Forschungsteam hat zum ersten Mal gezeigt, dass hochenergetische kosmische Strahlung in der Umgebung massereicher Sterne erzeugt wird. Neue Hinweise gefunden, wie kosmische Strahlung entsteht.
23.03.2021
Teilchenphysik
Neue Resultate stellen physikalische Gesetze in Frage
Forschende der UZH und des CERN haben neue verblüffende Ergebnisse veröffentlicht.
19.03.2021
Festkörperphysik - Teilchenphysik
Elektronen eingegipst
Eine scheinbar einfache Wechselwirkung zwischen Elektronen kann in einem extremen Vielteilchenproblem zu verblüffenden Korrelationen führen.