Hans Tuppy

Hans Tuppy 1987

Hans Tuppy (* 22. Juli 1924 in Wien) ist österreichischer Biochemiker und war Bundesminister für Wissenschaft und Forschung in der Bundesregierung Vranitzky II für die ÖVP.

Laufbahn

Hans Tuppy engagierte sich schon während seines Chemiestudiums im wissenschaftspolitischen Bereich und ist Mitbegründer der Katholischen Hochschulgemeinde und der "Freien österreichischen Studentenschaft"[1].

Die wichtigsten Stationen seiner wissenschaftlichen und wissenschaftspolitischen Laufbahn:

  • 1948 Promotion zum Dr. phil. [2]
  • 1956 Habilitation [3]
  • 1958 ao. Professor für Biochemie
  • seit 1963 Ordinarius am Institut für Biochemie an der medizinischen Fakultät der Universität Wien
  • 1970–1972 Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Wien
  • 1974–1982 Präsident des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF)
  • 1983–1985 Rektor der Universität Wien und Vorsitzender der Österreichischen Rektorenkonferenz
  • 1985–1987 Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
  • 1987–1989 österreichischer Bundesminister für Wissenschaft und Forschung
  • 2003–2008 Vorsitzender des Universitätsrates der Universität für Bodenkultur Wien[4]

Preise und Auszeichnungen

Hans Tuppy wurden in seiner langjährigen Tätigkeit diverse Ehrendoktorate, 1975 das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst[5], 1978 die Wilhelm-Exner-Medaille sowie 2002 der Ludwig-Wittgenstein-Preis der Österreichischen Forschungsgemeinschaft[6] verliehen. Er wurde auch in die Päpstliche Akademie der Wissenschaften[7] berufen.

Als junger Forscher arbeitete Hans Tuppy in Cambridge mit Frederick Sanger an der Sequenzaufklärung des Insulins[8]. Frederick Sanger erhielt 1958 für diese Arbeit den Nobelpreis, seither gilt Tuppy als „Fast-Nobelpreisträger".

Nach Cambridge ging Tuppy an das Karlsberg-Laboratorium in Kopenhagen, Dänemark, und kehrte erst 1951 wieder nach Wien zurück, wo er Assistent am II. Chemischen Institut der Universität Wien wurde. Tuppy spezialisierte sich nie auf nur ein Thema, sondern versuchte immer möglichst breit in seinen Interessen zu bleiben. Beispiele sind Arbeiten an Nukleinsäuren, Kohlenhydraten oder Viren. Mit Helmut Schenkel-Brunner arbeitete er etwas an der enzymatischen Umwandlung von Blutgruppensubstanzen des AB0-Systems. Mit Peter Meindl gelang ihm die Entdeckung einer Gruppe von Neuraminsäurederivaten mit antiviraler Wirksamkeit.

Nicht nur wissenschaftlich sehr erfolgreich engagierte sich Tuppy auch wissenschaftspolitisch. Er arbeitete an der Formulierung des Forschungsförderungsgesetzes mit[9], führte während seiner Präsidentschaft beim Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung das Peer-Review Verfahren ein und setzte einige Neuerungen während seiner politischen Funktion als Bundesminister für Wissenschaft und Forschung ein.

Tuppy ist auch Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina.[10]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ORF/APA, 10. März 2006
  2. Dissertation: Synthese des Cuskhygrins. Versuche zu einer Synthese des Dictamnins, Wien, Univ., 1948 – Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund
  3. Beiträge zur Konstitutionsermittlung biologisch aktiver Polypeptide und Proteine, Wien, Habil.-Schrift, 1956 – Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund
  4. BOKU, Organe der Universität
  5. Handakten der ÖAW
  6. ÖFG
  7. Zenit, 12. Oktober 2007
  8. Publikation über die Entzifferung der Aminosäuresequenz des Insulin, 1958
  9. Diplomarbeit „Die finanzielle Entwicklung des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung seit der Gründung 1967.“ von R. Fialka, März 2007
  10. Hans Tuppy von 2002 abgerufen am 17. Februar 2012

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