Hall-Héroult-Prozess

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Der Hall-Héroult-Prozess ist ein Verfahren zur Herstellung reinen Aluminiums aus Aluminiumoxid. Das aus dem Bayer-Verfahren gewonnene Ausgangsmaterial Aluminiumoxid wird in Kryolith gelöst und dann das reine Aluminium per Schmelzflusselektrolyse dargestellt.[1]

Geschichte

1886 haben Charles Martin Hall und Paul Héroult dieses Verfahren etwa gleichzeitig unabhängig voneinander erfunden. Dieses Verfahren wird – mit einigen Verbesserungen – noch heute industriell angewandt.

Verfahren

Schema Schmelzflusselektrolyse zur Gewinnung von Aluminium

Vor dem Arbeitsschritt der eigentlichen Elektrolyse wird das Aluminiumoxid (Schmelztemperatur 2045 °C) mit Kryolith (Na3[AlF6]) vermischt, um die Schmelztemperatur zu senken. Das entstehende Gemisch, welches zu 80 bis 90 % aus Kryolith besteht, hat eine Schmelztemperatur von nur noch ca. 950 °C. Dadurch wird die erforderliche Arbeitstemperatur erheblich verringert, was die Schmelzflusselektrolyse überhaupt erst ermöglicht.[2]

Die Reduktion von Aluminiumoxid erfolgt in der Schmelzflusselektrolyse (kurz auch Schmelzelektrolyse). Die Elektrolysezelle besteht aus einer Stahlwanne, die mit Kohlenstoffmaterial (Graphit / Anthrazit) ausgekleidet ist. In dieser Wanne befindet sich der flüssige Elektrolyt (Kryolith mit einem Überschuss an AlF3). In den Elektrolyten tauchen von oben die Anoden (aus Petrolkoks gebrannte Graphit-Blöcke) ein, die an den positiven Pol einer Spannungsquelle angeschlossen sind. Die Kathodenwanne dagegen ist mit dem negativen Pol verbunden.[3]

Durch eine Spannung von 4 bis 5 Volt und einer Stromstärke bis zu 330.000 Ampere (einer Stromdichte von 0,8 Ampere/cm2) wird das Aluminiumoxid (Al2O3) zerlegt.

$ \mathrm {2\ Al_2O_3 \longrightarrow 4\ Al + 3\ O_2} $

Die in der Schmelze befindlichen positiv geladenen Aluminiumionen Al3+ wandern zur Kathode (Minuspol). Dort nehmen sie Elektronen auf und werden zu Aluminiumatomen reduziert. Die negativen Sauerstoffionen (naszierende O2−) wandern zur Anode (Pluspol). Dort geben sie ihre überschüssigen Elektronen ab und werden zu Sauerstoffmolekülen oxidiert. Diese Sauerstoffmoleküle reagieren mit dem Kohlenstoff der Graphitanode zu Kohlenmonoxid und Kohlendioxid, die dann als Gase entweichen.[3]

$ \mathrm {C + 2 \ O^{2-} \longrightarrow CO_2 \uparrow} $

Das entstehende flüssige Aluminium hat eine größere Dichte als das geschmolzene Aluminiumoxid-Kryolith-Gemisch und sammelt sich daher auf dem Boden der Kathodenwanne. Von dort wird es mit einem Saugrohr abgezogen. Das so entstandene Reinaluminium enthält noch etwa 0,1 bis 1 Prozent Verunreinigungen. Diese sind im Wesentlichen Eisen, Silicium und Titan.[4]

Bei diesem Vorgang können unerwünschte Nebenreaktionen auftreten, die zum Teil große Umweltprobleme darstellen.[1] So entstehen beispielsweise signifikante Mengen von Fluorwasserstoff, Kohlenstoffmonoxid und den Treibhauseffekt steigernden Fluoralkanen, insbesondere Tetrafluormethan.[1]

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 M. Binnewies et alii: Allgemeine und Anorganische Chemie. 2. Auflage. Spektrum, 2010, ISBN 3-8274-2533-6. S.404f
  2. Energieeffizienz in der Aluminium-Gewinnung (PDF)
  3. 3,0 3,1  Charles E. Mortimer, Ulrich Müller: Chemie. 9 Auflage. Thieme, 2007, ISBN 978-3-13-484309-5.
  4. European Aluminium Association: Kurzbericht (englisch)

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