Begleitalkohol

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Begleitalkohole (auch Fuselalkohole) entstehen neben Ethanol als Teilfraktion der Fuselöle bei Gärungsprozessen zur Getränkeerzeugung. Typische Begleitalkohole sind Methanol, n-Propanol und Isobutanol, die Butanole, die Amylalkohole sowie Hexanol.

Der Begriff Fuselalkohole wurde in den letzten Jahrzehnten in der Rechtsmedizin zugunsten des Begriffs Begleitalkohole ersetzt.

Entstehung

Die meisten der Begleitalkohole wie n-Propanol und Isobutanol entstehen während der alkoholischen Gärung durch Prozesse, an denen Hefen und Bakterien beteiligt sind. Dabei sind anders als bei Ethanol nicht Zucker sondern Aminosäuren die Ausgangsprodukte.

Methanol dagegen bildet sich bei der Getränkeherstellung nicht durch Gärung, sondern durch Spaltung von Pektinen, die vor allem in den Schalen von Früchten enthalten sind.

Konzentration in alkoholischen Getränken

Während der Ethanolgehalt je nach Getränk zwischen 4 und 400 g/l liegt, sind die Konzentrationen der Begleitalkohole in den Getränken erheblich geringer und reichen meist von weniger als 1 mg/l bis zu 500 mg/l (meist über Faktor 1:1000 gegenüber Ethanol).

Verschiedene Getränkesorten unterscheiden sich außer im Gehalt an Ethanol auch im Muster und in den Konzentrationen der Begleitalkohole. Bei Obstbränden können zum Beispiel Methanolgehalte bis 5000 mg/l erreicht werden, während etwa Wodka praktisch frei von Begleitalkoholen ist. Der hohe Methanolgehalt von Obstbrand ist darauf zurückzuführen, dass nicht nur der ausgepresste Saft, sondern ganze Früchte inklusive der Schalen zerkleinert und vergoren werden. Auch alkoholfreie Fruchtsäfte können bis zu 180 mg/l Methanol enthalten.

Folgende Tabelle zeigt exemplarisch den Ethanol- und Begleitalkoholegehalt einzelner Getränkeproben verschiedener Getränke:

Getränk Ethanol (g/L) Methanol (mg/L) n-Propanol (mg/l) Isobutanol (mg/l)
Williamsbirne 316 5140 173 194
Wodka 300 22 n.n. n.n.
obergäriges Bier 37,9 2 13 7
Prosecco 86,9 38 32 44
Weißwein 94,8 51 34 29
Rotwein 98,8 120 34 43

Bestimmung

Die Bestimmung von Begleitalkoholen geschieht in der Regel gaschromatographisch.

Medizinische Bedeutung

Obwohl die Einnahme höherer Dosen der genannten Alkohole zu Vergiftungen mit zum Teil tödlichem Ausgang führen kann, sind akute Vergiftungen durch gängige oder auch selbst gebrannte alkoholische Getränke eher selten. Eine Ausnahme stellt allenfalls die Methanolvergiftung dar, die bei unsachgemäßer Destillation hochprozentiger Getränke auftreten kann.

In einigen Ländern werden aus forensischen Gründen gelegentlich Begleitalkohole bzw. Begleitstoffe im Blutserum bestimmt. Die sog. Begleitalkoholanalyse soll hier Aussagen zur Plausibilität einer geäußerten Nachtrunkbehauptung oder einer möglichen Alkoholkrankheit treffen.

Der Einfluss von Begleitalkoholen (sowie den restlichen Fuselölen, siehe dort) auf das Allgemeinbefinden (Müdigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen u. a.) nach übermäßigem Genuss alkoholischer Getränke (der sog. Kater) ist umstritten, es wird aber allgemein als gegeben angenommen, dass sie im Körper des Menschen zu Giftstoffen abgebaut werden, die zu einer Belastung der Organe, insbesondere Herz, Leber, Nieren und Nervensystem, führen. Fuselalkohole spielen deshalb für die Verträglichkeit von alkoholischen Getränken eine entscheidende Rolle. Aus diesem Grund sollte der gesamte Fuselölgehalt von Spirituosen auch nicht über 0,1 % liegen.[1] Die Studienlage zu diesem Thema ist allerdings eher dürftig (Stand 2011).

Einzelnachweise

  1. Manfred V. Singer und Stephan Teyssen: Alkohol und Alkoholfolgekrankheiten, 2005, II, 55-88, doi:10.1007/3-540-26446-9_7

Quellen

  • Wolfgang Bonte: Begleitsubstanzen in Wein und weinähnlichen Getränken. In: Blutalkohol. 15, 1978, ISSN 0006-5250, S. 392–404.
  • Wolfgang Bonte, J. Decker, J. Busse: Begleitsubstanzen hochprozentiger alkoholischer Getränke. In: Blutalkohol. 15, 1978, ISSN 0006-5250, S. 323–337.
  • Wolfgang Bonte: Begleitsubstanzen deutscher und ausländischer Biere. In: Blutalkohol. 16, 1979, ISSN 0006-5250, S. 108–124.
  • Wolfgang Bonte, B. Kühnholz: Zur Stabilität des Begleitstoffgehalts alkoholischer Getränke. In: Beiträge zur gerichtlichen Medizin. 42, 1984, ISSN 0067-5016, S. 395–401.
  • Wolfgang Bonte, P. Russmeyer: Zur Frage der Normalverteilung von Begleitstoffen in alkoholischen Getränken.In: Beiträge zur gerichtlichen Medizin. 42, 1984, ISSN 0067-5016, S. 387–394.
  • Wolfgang Bonte: Begleitstoffe alkoholischer Getränke. Biogenese, Vorkommen, Pharmakologie, Physiologie und Begutachtung. Schmidt-Römhild Verlag, Lübeck 1987, ISBN 3-7950-0623-6 (Arbeitsmethoden der medizinischen und naturwissenschaftlichen Kriminalistik 17).
  • F. Drawer, A. Rapp, H. Ullenmeyer: Radio-gas-chromatografische Untersuchung der Stoffwechselleistung von Hefen (Saccharomyces und Schizosaccharomyces) in der Bildung von Aromastoffen. In: Vitis. 6, 1967, ISSN 0042-7500, S. 177–197.
  • O. Grüner, N. Bilzer: Zum Methanolgehalt von Fruchtsäften. Seine Bedeutung bei der Begleitstoffanalyse. In: Blutalkohol. 20, 1983, ISSN 0006-5250, S. 241–252.
  • W. Huckenbeck, W. Bonte: Alkohologie. In: Burkhard Madea, B. Brinkmann: Handbuch gerichtliche Medizin. Band 2. Springer-Verlag, Berlin u. a. 2003, ISBN 3-540-66447-5, S. 379–636.
  • R. Iffland: Tödliche Isopropanolvergiftung. In: J. Barz, J. Bösche, H. Frohberg, H. Joachim, R. Käppner, R. Mattern (Hrsg.): Fortschritte der Rechtsmedizin. Festschrift für Georg Schmidt. Springer-Verlag, Berlin u. a. 1983, ISBN 3-540-12152-8, S. 324–328.
  • R. Iffland, P. Balling, G. Börsch, C. Herold, W. Kaschade, T. Löffler, U. Schmidtmann, J. Stettner: Zur Wertung erhöhter Spiegel von GGT,CDT, Methanol, Aceton und Isopropanol im Blut alkoholauffälliger Kraftfahrer. In: Blutalkohol. 31, 1994, ISSN 0006-5250, S. 273–314.
  • R. Iffland, A. W. Jones: Evaluating alleged drinking after driving - the hip-flask defence. Part 2: Congener analysis. In: Medicine, science and the law. 43, 2003, ISSN 0025-8024, S. 39–68.
  • D. W. Lachenmeier, F. Musshoff: Begleitstoffgehalte alkoholischer Getränke. Verlaufskontrollen, Chargenvergleich und aktuelle Konzentrationsvergleiche. In: Rechtsmedizin 14, 2004, ISSN 0937-9819, S. 454–462.

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