Theodor Grotthuß


Theodor Grotthuß

Theodor Grotthuß
Theodor Grotthuß

Freiherr Christian Johann Dietrich Theodor von Grotthuß (* 20. Januar 1785 in Leipzig; † 26. März 1822 in Geddutz (heute Gedučiai), Litauen) war ein deutsch-litauischer Naturwissenschaftler. Er entwickelte den nach ihm benannten Grotthuß-Mechanismus zur Leitfähigkeit in wässrigen Lösungen.

Leben

Theodor Grotthuß verbrachte seine Kinderjahre überwiegend auf dem elterlichen Gut im damaligen russischen Gouvernement Kurland. Entgegen den Erziehungsabsichten seiner Hauslehrer befasste er sich mit Naturwissenschaften und studierte alle erreichbare derartige Literatur. Im Jahre 1803 reiste Grotthuß nach Leipzig, um dort das Studium der Naturwissenschaften aufzunehmen, das er danach in Paris fortsetzte. An der École Polytechnique hörte er u. a. Claude-Louis Berthollet und dessen Mitstreiter im Kampf um die Antiphlogistontheorie von Antoine François de Fourcroy.

Nach seiner Übersiedlung nach Italien lernte Grotthuß dort die Versuche über die elektrolytische Wasserzersetzung kennen. Dazu entwickelte er 1805 seine eigenständige Theorie, die ihn in Gelehrtenkreisen Europas bekannt machte.[1]

Im Folgejahr kehrte er nach einem Zwischenaufenthalt in Paris nach Kurland zurück, um die Bewirtschaftung des ererbten Gutes zu übernehmen. Dort setzte Theodor Grotthuß ohne unmittelbaren Kontakt mit anderen Wissenschaftlern seine elektrochemischen Forschungen fort. Dabei gelangte er zu einer Reihe von neuen, eigenständigen Ideen, die alle im Zusammenhang mit dem Phänomen der Erzeugung des galvanischen (elektrischen) Stromes mittels der 1800 konstruierten sogenannten Voltaschen Säule (elektrochemische Gleichstromquelle) standen. Grotthuß gehörte zu den ersten Wissenschaftlern, die systematisch die „wunderbaren Wirkungen der Elektrizität“ untersuchten, in der er „einen der wirksamsten Antriebe in den großen Verrichtungen der Natur“ sah. Von grundlegender Bedeutung waren seine Überlegungen zur Erklärung des Strommechanismus in Elektrolyten.

Auf seine gewonnenen Erkenntnisse aufbauend, erweiterte Grotthuß systematisch seine Anschauung zur Elektrochemie. Dabei deutete er u. a. Vorgänge an den Elektroden als Oxidations- bzw. Reduktionsvorgänge, die stets wechselseitig und in einem entsprechenden Verhältnis stattfinden.

1819 veröffentlichte er eine Abhandlung über die chemische Wirksamkeit des Lichts. Darin begründete er, nahezu ein Vierteljahrhundert vor anderen Wissenschaftlern, das photochemische Absorptionsgesetz, nach dem in einem physikalisch-chemischen System nur derjenige Bruchteil einfallender Strahlung Wirkungen hervorrufen kann, der von diesem System absorbiert wird.

Werk

Der 1820 erschienene erste und einzige Band seiner „physikalisch-chemischen“ Forschungen wurde zu seinem wissenschaftlichen Vermächtnis. Nur 37 Jahre alt, starb Grotthuß am 14. März 1822 durch eigene Hand auf seinem Gut Geddutz. Seine wissenschaftlichen Arbeiten blieben damals nahezu unbeachtet. Ihre Bedeutung, die für andere Forscher hätte wegweisend sein können, offenbarte sich eigentlich erst im 20. Jahrhundert.

Quellenangaben

  1. C.J.T. de Grotthuss (1806): Sur la décomposition de l’eau et des corps qu’elle tient en dissolution à l‘aide de l‘électricité galvanique. In: Ann. Chim. (Paris). Bd. 58, S. 54-73.

Literatur

  • Juozas Al. Krikštopaitis: In the Wake of Volta’s Challenge: The Electrolysis Theory of Theodor Grotthuss, 1805. PDF
  • A. G. Morachevskii (2005): Theodor Grotthuss (to 220th Anniversary of His Birthday). In: Russian Journal of Applied Chemistry. Bd. 78, Nr. 1, S. 166-168. doi:10.1007/s11167-005-0250-y
  • Samuel Cukierman (2006): Et tu, Grotthuss! and other unfinished stories. In: Biochimica et Biophysica Acta. Bd. 1757, Nr. 8, S. 876–885. PMID 16414007
  • Dominik Marx: Protonenwanderung im virtuellen Labor. In: Spektrum der Wissenschaft. Jg. 1999, Bd. 6, S. 21. PDF
  • Eugen Lommel: Grotthuß, Theodor Freiherr von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 9. Duncker & Humblot, Leipzig 1879, S. 767.
  • Ronge, Grete: Grotthuß, Theodor Freiherr von. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 7, Duncker & Humblot, Berlin 1966, S. 171 f. (Digitalisat).

Weblinks