Mörser (Werkzeug)

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Zerreiben von Pflanzenmaterial mittels mörserähnlichem Werkzeug
Hölzerne Mörser in Burkina Faso

Mörser, aus latein Mortarium, ist eine Reibschüssel aus Porzellan, Achat, Korund, Marmor, Granit, Serpentinit, Glas, Melamin, Bronze, Eisen, Holz oder ähnlichen Materialien. Sie dienen seit der vorgeschichtlichen Zeit in Verbindung mit einem Stößel (Pistill) zum Zerkleinern von Pflanzenteilen und pulveriger Substanzen (Farben, Pigment). Die ältesten Mörser stammen aus dem Wadi Kubbaniya in Ägypten.

Bei Mörsern kann man weiter zwischen Mörsern, Fantaschalen und Patenen sowie Reibschalen unterscheiden. Mörser haben eine dicke Gefäßwand und die Innenseite ist glatt. Fantaschalen oder Patenen haben ebenfalls eine glatte Innenseite, aber dünnere Wände. Reibschalen zeichnen sich durch eine raue Oberfläche in der Schale und am Pistill aus. Diese sprachliche Unterscheidung wird auch in einschlägigen Fachbüchern nicht immer gemacht, da die englische Übersetzung für alle drei Geräte "mortar" lautet.

Mörser

In der Pharmazie werden Mörser und Stößel genutzt, um zum Beispiel Arzneidrogen mit ätherischen Ölen anzustoßen. Dabei werden die pflanzlichen Speicherorgane für das ätherische Öl zerstört und dieses freigesetzt. Mörser eignen sich durch ihre Form auch für stärkere mechanische Belastung. Die glatte Oberfläche erlaubt eine gründlichere Reinigung als bei Reibschalen.

Bronze-Mörser wurden früher von den Glockengießern hergestellt, da sie aus dem gleichen Material wie Glocken bestehen. Sie konnten also nicht nur die gleiche Gussmasse (eine Legierung aus Kupfer und Zinn), sondern manchmal sogar die gleichen Formen oder Ornamente verwenden. So kommt es, dass viele alte Mörser am Rand religiöse Motive zeigen.

In Asien verwendet man Mörser auch, um Gemüse zu zerstampfen. Das thailändische Gericht Som Tam wird in einem Mörser aus Ton zubereitet.

Moderne Reibschalen

Reibschalen sind meist aus Porzellan und besitzen an der Innenfläche eine raue Oberfläche. Der hier verwendete Pistill ist ebenfalls an der Arbeitsfläche angeraut. Eine Reibschale dient zum Zerkleinern (Zerreiben) pulverförmiger fester Substanzen, die eine ausreichende Sprödigkeit aufweisen. Die Zerkleinerung wird durch kreisende mit leichtem Druck ausgeführte Bewegungen des Pistills erreicht. Wesentliches Zerkleinerungsprinzip ist dabei die Reibung zwischen den beiden angerauhten Flächen. Bei sorgfältiger Arbeitsweise und geeigneten Pulvern lassen sich Teilchengrößen bis 50 µm erreichen. Durch die raue Oberfläche sind Reibschalen nicht für fettige oder ölige Zubereitungen geeignet, die die Poren verstopfen oder die nächste Zubereitung verunreinigen könnten.

Reibschale und Pistill müssen für einen effektiven Gebrauch so abgestimmt sein, dass der Wölbungsradius der Innenfläche der Reibschale immer größer ist als der Wölbungsradius der Arbeitsfläche des Pistills. Nur so lässt sich das Entstehen von "Toträumen" während der Arbeit vermeiden.

Fantaschalen

Fantaschalen oder Patenen haben dünnere Wände als Mörser und bestehen meist aus Melamin. Die Flächen der Fantaschale und des Pistills sind wie beim Mörser glatt. Sie werden in der Apotheke zur Herstellung von Salben, Cremes, Gelen oder anderen halbfesten Zubereitungen verwendet. Eine raue Oberfläche wie bei Reibschalen würden die Qualität der Arzneimittel zum einen erheblich beeinflussen und zum anderen würden die teilweise fetthaltigen Zubereitungen die Poren verstopfen und das Gerät unbrauchbar machen. Zudem wäre dann eine Kreuzkontamination durch Rückstände möglich, die im Sinne der Arzneimittelsicherheit nicht vertretbar ist.


Mörsermühlen

Mörsermühle

Im Labor werden statt Reibschalen oft sogenannte Mörsermühlen verwendet. Die Bezeichnung Mörser ist nach dem obig Dargelegten nicht korrekt, hat sich aber doch weit verbreitet. Eigentlich müsste die Bezeichnung Reibmühle lauten. Bei Mörsermühlen wird die angeraute Schale in Rotation versetzt, das Pistill dreht sich durch diese Bewegung asymmetrisch mit und das Material wird verrieben und durchmischt. Mörsermühlen gibt es in verschiedenen Ausführungen, je nach Volumen und Material des Mörsers.

Die erste mechanische Mörsermühle wurde 1923 von F. Kurt Retsch (Retsch GmbH) erfunden und patentiert. Daher ist auch heute noch der Begriff Retschmühle gängig.

Eine Scheiben-Schwingmühle wird im Rahmen der Qualitätskontrolle von Feststoffen eingesetzt.

Siehe auch

  • Tendé ist ein Holzmörser der Tuareg im Nordwesten Afrikas, der mit einer Ziegenhaut bespannt als Trommel gespielt wird.
  • Mortarium – antike Reibschale aus Ton.

Literatur

  • Edmund Launert: Der Mörser. Geschichte und Erscheinungsbild eines Apothekengerätes. Materialien, Formen, Typen. Callwey, Muenchen 1990, 216 S., ISBN 3-7667-0985-2.
  • B. Dubbe: Die Mörsersammlung Ernst Genz. 1000 Mörser aus 10 Jahrhunderten. Berg am Starnberger See 1994, 382 S.
  • Dirk A. Koning: Bronzemörser. Frankfurt am Main 1975 (Monographien zur pharmazeutischen Kulturgeschichte, 4).

Weblinks

 Commons: Mörser – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference

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