Enziane

Enziane

Die Enziane (Gentiana) sind eine Pflanzengattung aus der großen Familie der Enziangewächse (Gentianaceae). Einige Arten werden zur Schnapsherstellung und zur Gewinnung von Heilmitteln genutzt. Wenige Arten und Sorten verwendet man als Zierpflanzen. Der lateinische Name leitet sich vom illyrischen König Genthios her, der als erster die Heilwirkung der Enziane erkannt haben soll.[1]

Beschreibung

Enzian-Arten wachsen als ein- bis zweijährige oder ausdauernde krautige Pflanzen. Die kreuzgegenständigen Laubblätter stehen in grundständigen Rosetten oder am Stängel verteilt. Die einfachen Blattspreiten besitzen einen glatten Blattrand.

Die Blüten stehen einzeln oder in meist zymösen Blütenständen. Die zwittrigen, radiärsymmetrischen Blüten sind (vier- oder) meist fünf- (oder sechs- bis acht-) -zählig. Die grünen Kelchblätter sind verwachsen. Die Kronblätter sind, oft lang röhrig, glockenförmig oder radförmig verwachsen und können ganz unterschiedliche Blautöne haben oder sie sind gelb bis weißlich. Die Staubblätter ragen nicht über die Kronblätter hinaus und die Staubfäden sind mehr oder weniger geflügelt. Der Fruchtknoten ist oberständig. Der Griffel ist kurz oder fehlt.

Es werden Kapselfrüchte gebildet, die viele Samen enthalten. Die Samen können geflügelt oder ungeflügelt sein.

Bei den meisten Arten schließen sich die Blüten bei bewölktem Himmel und kühler Luft, auch bei Erschütterungen durch Hagel, Regen und starkem Wind.

Vorkommen

Die Gattung Gentiana umfasst weltweit 300 bis 400 Arten, vorwiegend in den Gebirgen der gemäßigten Zonen der Nordhalbkugel, aber auch in den Anden. Enziane fehlen in Afrika. In Europa wachsen etwa 35 Arten vorwiegend in den Alpen.

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Kochscher Enzian
(Gentiana acaulis)
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Schwalbenwurz-Enzian (Gentiana asclepiadea)
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Clusius-Enzian
(Gentiana clusii)
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Kreuz-Enzian (Gentiana cruciata)
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Tauern-Enzian (Gentiana frigida)
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Gelber Enzian
(Gentiana lutea)
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Schnee-Enzian (Gentiana nivalis)
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Ungarischer Enzian (Gentiana pannonica)
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Lungen-Enzian (Gentiana pneumonanthe)
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Tüpfel-Enzian
(Gentiana punctata)
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Purpur-Enzian (Gentiana purpurea)
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Schlauch-Enzian (Gentiana utriculosa)
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Frühlings-Enzian
(Gentiana verna)
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Die Hybride Macauleys Enzian
(Gentiana ×Macauleyi hort.)

Systematik

Die Gattung Gentiana wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 1, S. 227–232 aufgestellt. Als Lectotypus wurde 1913 Gentiana lutea L. von N. L. Britton & A. Brown in Ill. Fl. N.U.S., 2. Auflage, 3, S. 8 festgelegt.[2] Synonyme für Gentiana L. sind: Calathiana Delarbre, Chondrophylla A.Nelson, Ciminalis Adans., Dasystephana Adans., Ericala Gray orth. var. Eurythalia D.Don orth. var., Favargera Á.Löve & D.Löve, Gentianodes Á.Löve & D.Löve, Holubogentia Á.Löve & D.Löve, Kuepferella M.Laínz, Kurramiana Omer & Qaiser, Mehraea Á.Löve & D.Löve, Pneumonanthe Gled., Qaisera Omer, Tretorhiza Adans., Ulostoma G.Don.[3]

Die Gattung Gentiana gehört zur Subtribus Gentianinae aus der Tribus Gentianeae innerhalb der Familie Gentianaceae.[3] Früher wurden auch die Gattungen Kranzenziane (Gentianella), Fransenenziane (Gentianopsis) und Haarschlund (Comastoma) zu einer großen Gattung Enziane (Gentiana s. l.) gezählt.

Laut Plinius dem Älteren leitet sich der Name Gentian von Gentius, König von Illyrien (180–168 v. Chr.) ab, der die Heilwirkung von Enzian-Arten (vermutlich Gentiana lutea) entdeckt haben soll.

Es gibt etwa 300 bis 400 Enzian-Arten (Gentiana) (Auswahl):

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Österreichische 1-Cent-Münze

Symbolik

Viele Enzianarten haben die im Pflanzenreich seltene reinblaue Blütenfarbe, weshalb diese Enziane zum Symbol der Treue wurden. Auf den österreichischen Euro-Centmünzen ist der Enzian abgebildet.

Nutzung

Die „Wurzelstöcke“ einiger Arten werden seit dem Mittelalter zur Herstellung von Schnaps, als Arzneimittel und zur Appetitanregung verwendet. Im Gegensatz zu den auf vielen Flaschenetiketten abgebildeten blau blühenden Enzianen werden zur Schnapsbrennerei die großwüchsigen Arten, insbesondere der Gelbe Enzian (Gentiana lutea), verwendet, außerdem wird auch Gentiana purpurea, Gentiana punctata und Gentiana pannonica dafür genutzt.

Auch als Bitterstoff (Amarum) finden Enziane Verwendung. So wird aus der Wurzel bestimmter Arten die bitterste „natürliche“ Substanz der Welt gewonnen, das Amarogentin. Amarogentin ist auch in einer Verdünnung von eins zu 58 Millionen noch deutlich wahrnehmbar.[4]

Bei vielen Enzianarten schmecken auch die oberirdischen Teile bitter und werden deswegen vom Weidevieh gemieden. Dies ist ein Grund dafür, dass sich Enzianarten auf den beweideten Almwiesen besonders gut halten konnten.

Alle Enzianarten stehen unter Naturschutz, das heißt, sie dürfen weder gepflückt noch ausgegraben werden. Daher werden zur Zeit Versuche unternommen, den für die Schnapsherstellung benötigten Enzian zu kultivieren, und ein großer Teil der für Schnapsgewinnung und Arzneimittel benötigten Drogen wird schon als Spezialkultur auf Äckern angebaut und geerntet.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Eintrag zu Enziane in: Austria-Forum, dem österreichischen Wissensnetz – online  (im Heimatlexikon) abgerufen am 1. Februar 2012
  2. Eintrag bei Tropicos.
  3. 3,0 3,1 Eintrag bei GRIN.
  4. Geschmackssensoren für die bitterste natürliche Substanz der Welt identifiziert. Deutsches Institut für Ernährungsforschung (Pressemitteilung). Abgerufen am 15. Oktober 2009.

Ergänzende Literatur

  • Xaver Finkenzeller: Alpenblumen, München 2003, ISBN 3-576-11482-3
  • Manfred A. Fischer, W. Adler, K. Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5
  • Hansjörg Küster: Geschichte der Landschaft in Mitteleuropa. München 1999, ISBN 3-406-45357-0

Weblinks

 Commons: Enziane (Gentiana) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien