chemieschule.de Lexikon
 
 
 

Chemie und Technik

Seite 58. Stahl 56. Metalle

57. Eisen

Vorkommen.

Das Eisen ist am Aufbau der Erdrinde zu 4,7 % beteiligt. Aus der Dichte der Erde schließt man auf einen hohen Eisengehalt des Erdkerns (Ni-Fe-Kern). Gediegenes Eisen kommt selten vor und hat für die Gewinnung keine Bedeutung. Die häufigsten Eisenmineralien zeigt Tabelle 28.

Eisenmineralien: Magneteisenstein, Roteisenstein, Brauneisenstein, Spateisenstein, Eisenkies.
Tabelle 28
Mineral Formel Vorkommen
Magneteisenstein (Magnetit) Fe3O4 Skandinavien, Rußland
Roteisenstein, Blutstein (Hämatit) Fe2O3 Lahn-Dill-Gebiet, Spanien, USA, Afrika
Brauneisenstein (Limonit) Fe2O3 H2O Salzgitter-Peine-Gebiet, Lothringen
Spateisenstein (Siderit) FeCO3 Erzberg (Steiermark), Hüttenberg (Kärnten)
Eisenkies (Pyrit) FeS2 verbreitet, für Deutschland aus Spanien eingeführt
 
Magnetit   Limonit
 
Hämatit Siderit
57.1 Eisenmineralien

Der Hochofenprozeß.

Siderit und Pyrit werden vor der Verarbeitung zu Eisen (s. Kapitel 49) in Oxide umgewandelt (Rösten).

Die Darstellung des Eisens erfordert dann im Prinzip die Reduktion der Eisenoxide. Sie erfolgt mit Koks im Hochofen. Den Bau eines Hochofens zeigt Abb. 57.2.

Der Hochofen wird beschickt mit Hüttenkoks, Eisenerz und zur Beseitigung des tauben Gesteins, der Gangart, mit Zuschlägen. Diese verbinden sich mit der Gangart zu Schlacke. Die für den Hochofen notwendige Luft (»Wind«) wird in Winderhitzern - das sind etwa 15 m hohe Türme - auf 600-800°C erhitzt. Sie entzündet den Koks, der zu Kohlenmonoxid verbrennt:

2C + O2 2CO + 110,5 kJ

Das aufsteigende Kohlenmonoxid reduziert in der darüberliegenden Erzschicht die Oxide zu Eisen.

25,56 kJ + Fe2O3 3CO + 2Fe + 3CO2

Das entstandene Kohlendioxid wird in der folgenden Koksschicht wieder reduziert (Gleichgewichtsverschiebung durch hohe Temperaturen!).

173 kJ + CO2 + C 2CO

In den oberen, weniger heißen Zonen des Hochofens oder unter dem katalytischen Einfluß des Eisens entsteht auch im unteren Teil Kohlenstoff in fein verteilter Form, der eine ausgezeichnete Reduktionswirkung hat.

497,35 kJ + Fe2O3 + 3C 2Fe + 3CO
Hochofenanlage
57.2 Hochofenanlage. Tagesleistung über 3000 t Roheisen
Hochofenprozeß: Reduktion der eisenoxide zu Roheisen, Entfernung der Gangart durch Schlackenbildung.
Reduktion im Hochofen durch CO und fein verteilten Kohlenstoff.
Gichtgas: das den Hochofen verlassende Gasgemisch.
Roheisen: verunreinigt durch C, Si, Mn, P, S.
Hochofenanlage Schema
57.3 Schema einer Hochofenanlage
Gib in ein feuchtes Reagenzglas etwas Eisenpulver, verschließe mit einem gebogenen Röhrchen, das Wasser ernthält. Beobachte!
Modellversuch zum Rostvorgang
57.2 Modellversuch zum Rostvorgang.

Ein Teil dieses Kohlenstoffs löst sich im Eisen auf und bewirkt eine Herabsetzung des Schmelzpunktes von 1539°C auf knapp 1200°C. Das den Hochofen verlassende Gas, das Gichtgas, hat wegen seines hohen Gehaltes an CO einen großen Heizwert (3300-4600 kJ/m3). Es wird im Hochofenbetrieb weiter verwendet und dient vor allem zum Aufheizen der Winderhitzer. Auch die Schlacke wird weiterverarbeitet und vielseitig genutzt (Schlackensand, Zement, Bims, Schlackenwolle).

Das den Hochofen beim »Abstich« verlassende Eisen, das Roheisen, enthält neben Kohlenstoff noch Verunreinigungen von Silicium, Mangan, Phosphor und Schwefel. Wird der Kohlenstoff in Form von Graphit abgeschieden, ist die Bruchfläche des Roheisens grau: graues Roheisen. Es ist spröde und daher nicht schmiedbar, eignet sich aber gut zum Gießen von Formen (Gußeisen). Auch durch Bohren und Drehen kann es bearbeitet werden. Hat sich im Roheisen der Kohlenstoff chemisch zu Fe3C (Eisencarbid) verbunden, hat das Roheisen eine glänzend weiße Bruchfläche: weißes Roheisen. Dieses Eisen läßt sich weder gießen noch mechanisch bearbeiten; es wandert in die Stahlwerke zur Weiterverarbeitung.

Eigenschaften und Rostvorgang.

Rosten: zerstörende Oxidation des Eisens.
Rostschutz: Überzüge aus Kunststoffen, Metallen, Farbe, Glas.

Chemisch reines Eisen ist ein verhältnismäßig weiches, unedles Metall, das von verd. Säuren leicht zerstört wird.

An feuchter Luft rostet Eisen. Der Rostvorgang ist ein kompliziert ablaufender Oxidationsprozeß, an dem Wasser, Sauerstoff und Kohlendioxid beteiligt sind. Säuredämpfe begünstigen das Rosten; deshalb sind in Labors, aber auch in Industriebetrieben Geräte und Konstruktionen aus Eisen besonders rostgefährdet.

Gegen das Rosten schützen Überzüge aus Kunststoffen (Teflon), Metallen (Zink, Zinn), Farbanstriche oder Einölen. Emailliertes Geschirr ist mit einer Glasschicht, der Emaille, bedeckt.

Jetzt kostenlos eintragen und entdeckt werden! Sofort suchen, sofort finden - und direkt buchen!
User online 3   gestern 350   heute 70
Siteinfo