Terrazzo ist die Bezeichnung für einen speziellen Bodenbelag.
Erste Terrazzoböden gab es bereits in der Antike.[1] Im Gegensatz zu Betonwerkstein, der als Formatplatte in Werken hergestellt wird, ist Terrazzo ein Belag, der vor Ort trocken gemischt, mit Wasser und Zement vermengt und auf den Boden verteilt wird.
Der traditionelle Terrazzo wird als sogenannter Ortterrazzo vor Ort zum Beispiel ins Gebäude eingebracht und durch Walzen verdichtet, welches ihn durch das oberflächliche Einstreuen von Granulat und dessen Einwalzen von der Herstellung des Betonwerkstein unterscheidet. Nach der fachgerechten Einbringung konnte es durchaus bis zu einem halben Jahr dauern, bis der Boden zum ersten Mal geschliffen wurde. Je nach Auftraggeber wurde der Belag dann bis zu drei mal gespachtelt und überschliffen. Der Schleifvorgang wurde vor der Elektrifizierung mittels Eisenklötzen, Schleifsand und menschlicher Muskelkraft durchgeführt. Terrazzoböden bestehen aus einer besonderen Zusammenstellung von Bindemitteln und Zuschlagstoffen (meist ab 5 mm Korngröße).
Terrazzoböden hatten in den Nachkriegsjahren den Beigeschmack eines „billigen“ Bodenbelags, vor allen Dingen durch die zunehmenden Marktanteile von Keramik. Im Wohnbereich wurden Teppiche und PVC-Böden als moderner und schneller austauschbar angesehen.
Fast immer waren die Zuschlagstoffe aus Marmor, Kalkstein, Dolomit usw. Es sind aber auch früher schon bei hochbelasteten Böden härtere Materialien verwendet worden, wie Granitsplitt, Moränen- oder Flusskiese. Durch das Schleifen werden die Körner der Zuschläge sichtbar und bestimmen so das Erscheinungsbild des Bodens.
Durch die Mischung aus dem gegebenenfalls eingefärbten Bindemittel und den verschiedenfarbigen Zuschlägen kann die Farbigkeit des Bodens beeinflusst werden. Neben homogenen Flächen gibt es auch aufwändiger gearbeitete Böden, in denen verschiedene Felder und Muster aus Mosaiksteinen eingearbeitet sind.
Terrazzoböden können durch die Zugabe von korrosionsfesten Metallspänen oder Graphitzugaben elektrisch leitend hergestellt werden. Diese Methode wird heutezutage beispielsweise in Operationssälen angewendet, um elektrostatische Aufladungen zu vermeiden. Die Aufladung wird durch eine eingearbeitete geerdete Metallgittermatte abgeleitet.
Eine der Hauptkriterien für die Auswahl der Pflegemethoden ist der Untergrund. Früher hat man generell nur im Verbund gearbeitet. Heute sind Terrazzoböden auch auf modernen Untergründen, z. B. auf Dämmung/Heizung unter bestimmten Bedingungen möglich. Die neuen Systeme müssen allerdings anders behandelt werden.
Geschliffene Terrazzoböden wurden im Altertum mit einem Gemisch aus Terpentin und Bienenwachs eingerieben. Terpentin oder auch Balsamöl wird aus frischem Baumharz gewonnen. Nach dem Anschneiden der Rinde wurde das ausgetretene Harz gesammelt und grob gereinigt. Anschließend wurde gereinigtes Bienenwachs erwärmt bis eine dickflüssige Masse entstand. Dieses Wachs wurde langsam in das Terpentin eingerührt bis eine pastöse Masse entstand, die in verschlossenen Gefäßen auskühlte. Diese Paste wurde von Hand mehrfach, bis zur Sättigung auf den Boden, aufgetragen. Dies führte zu einer Farbintensivierung des Bodens, der nach dem Polieren mit einer Bürste seidenmatt glänzte.
Diese auf klassische Art eingepflegten Böden können am Besten mit einem wachshaltigen Reinigungsmittel gesäubert werden. Der Boden muss dann regelmäßig mit einer trockenen Naturborste aufpoliert werden. Polymerwischpflegen oder Alkoholreinger führen in der Regel zu einer Schleierbildung. Eine Rutschsicherheit bei Nässe kann nicht mehr gewährleistet werden. Bei trockenen Böden kann durch die optimierte Produktauswahl sogar eine zum Teil starke Erhöhung der Rutschsicherheit erreicht werden. Besonders in denkmalgeschützten Bauwerken ist diese Einpflege anzutreffen. Besonders problematisch ist eine Grundreinigung auf diesen alten Belägen. Alte Wachse können auch mit hochalkalischen Produkten nicht aus den Porenräumen entfernt werden. Die Gefahr, dass eine unerwünschte Verfleckung zurückbleibt, ist sehr groß.
Wer sich das teure Terpentin nicht leisten konnte, griff auf Leinöl zurück. Es dringt tiefer in die Poren ein. Der Terrazzo wurde mit dem Leinöl getränkt, bis er nichts mehr aufnahm und die Poren „dicht“ waren. Das Leinöl polymerisierte aus und erhärtete. Danach wurde nachpoliert. Leinöl kann ausbleichen, deswegen kann es, je nach Sonneneinstrahlung zu Farbveränderungen kommen. Um diesen Effekt zu verringern, hatte man bereits früher das Leinöl ausgebreitet und monatelang dem Sonnenlicht ausgesetzt, was zu einer Verdickung und Bleichung führte. Dann gab man wieder Lösemittel hinzu und trug die Schicht wie beschrieben auf. Wie bei den Wachsen ist eine fleckenfreie Grundreinigung kaum zu erzielen. Eine Unterhaltsreinigung kann nach der Aushärtung mit wachshaltigen Mitteln, wie vor genutzt werden.
Beide vorgenannten Verfahren sind heute noch im Gebrauch, aber relativ teuer und nur bei ausgetrockneten Verbundkonstruktionen zu verwenden. Auch die Geruchsbelästigung ist nicht zu unterschätzen. Terpentin ist zwar natürlichen Ursprungs, aber trotzdem ein giftiges Lösemittel.
Durch die elektrischen Schleifmaschinen wurden Terrazzoböden zu Beginn der Neuzeit immer populärer und wurden auch nicht mehr nur in gehobenen Bereichen eingesetzt. Die klassischen Einpflegemethoden waren in der Regel zu teuer und sie wurden nach der Verlegung lediglich mit Seife geputzt und aufgebürstet. In der gebrauchsfertigen Seifenlauge entstehen durch die Mineralien im Wasser unter anderem schwerlösliche Verbindungen, die man auch als „Rand“ vom Waschbecken her kennt. Diese „Kalkseifen“ sind weich und gut auspolierbar bis zum Seidenglanz. Früher verwendete man einen Bohnerklotz aus Eisen, mit dem der Boden aufpoliert wurde. Der Nachteil der Seife ist die permanente Schichtbildung und eine natürliche Vergrauung der Beläge. Diese Nachteile können durch regelmäßige Grundreinigungen ausgeglichen werden.
In den Zeit des Wirtschaftswunders wurden auch Hartpolymere auf die Böden aufgetragen, die aber nur sehr schwer entfernbar und nicht mit Seife zu verwechseln sind. Es sind viele Fälle bekannt, wo man mit einem Spachtel erst einmal ein dicke Schicht „Glänzer“ abziehen musste, bevor man schleifen konnte. Die Schleifkörper hätten sich ohne Entfernung dieser Schicht sofort zugesetzt. Normale Bodenwischpflege kann die Optik in der Regel nicht verbessern. Seife schmiert darauf generell.
Eine gängige Methode war es in den 1950er und 1960er Jahren den geschliffenen Boden mit verdünnter Säure zu reinigen und dann mit einem Wachsfluat einzulassen. Die eigene Herstellung des Wachsfluats durch die Terrazzoverarbeiter war erheblich gesundheitdgefährdend, wenn Wachskerzen kalt in hochgiftigem Trichloräthylen aufgelöst wurden. Oft helfen Produkte aus der Holzpflege auf Lösemittelbasis zur Ausführung einer Grundreinigung und Nachbearbeitung. Aber auch in diesen Fällen ist es absolut notwendig, mit dem Auftraggeber die Risiken (Glätte, Lösemittel, Flecken) zu besprechen und schriftlich festzuhalten.
Nachdem der Terrazzo im Nachkriegsdeutschland als minderwertiger Boden galt, hat er in den letzten Jahren mehr und mehr Zuspruch erfahren, auch mit den moderneren Unterkonstruktionen, durch die keine Feuchtigkeit nach „unten“ abgeleitet werden kann. Auch die Oberflächen haben sich geändert. Von der ursprünglich matten Ausführung geht der Trend eindeutig zum Hochglanz.
Zur „modernen“ Einpflege in Privatbereichen gibt es mehrere Ansätze, je nach Unterbau. Generell sollte der Terrazzo vor einer Weiterbehandlung vollkommen ausgetrocknet sein um Sekundärschäden und „Tigerfelloptik“ zu vermeiden. In Gewerbeobjekten kann es durch Einpflegemaßnahmen zu einer drastischen Verschlechterung der eingestellten Rutschsicherheit kommen. Das sollte vorher mit dem Auftraggeber und den zuständigen Behörden abgeklärt werden. Nachfolgende Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und soll lediglich Anhaltspunkte liefern. Ein professionelles Einpflegekonzept sollte mit den Herstellern aus der chemischen Mittel abgestimmt werden.
Auf absolut trockenem und sauberem Untergrund kann ein wasserlöslicher Fleckschutz nach Herstelleranweisung aufgetragen werden. Vorteil dieses Systems ist die leichte Entfernung der überschüssiger Mittel und die lösemittelfreie Zusammensetzung. In den meisten Fällen erreicht dieser Grundschutz seine volle Wirksamkeit nach etwa drei Tagen, in denen nur trocken gereinigt werden sollte. Eine derartig behandelte Fläche kann nur bedingt mit einem klassischen Seifenreiniger gereinigt werden. Durch die mangelhafte Ankettung der Pflegekomponenten an einer imprägnierten Oberfläche ist eine Überdeckung der Gebrauchsspuren kaum möglich. In diesem Fall wäre ein rückstandsfreies Reinigungssystem besser. Die Dosierung muss in der Regel höher eingestellt werden. Durch die Verhinderung der Benetzung entsteht ein Perleffekt, in dessen Folge eine höhere Dosierung notwendig wird: Die Fleckempfindlichkeit sinkt, die Schmutzanhaftung steigt.
Die alleinige Verwendung eines Seifenreinigers vom ersten Tag an ist die risikoloseste Methode und kann auch bei noch leicht feuchten Böden verwendet werden. Nachteilig ist es, dass es ziemlich lange dauert, bis sich ein effektiver Pflegefilm gebildet hat. Die Zeit ist unter anderem abhängig von der Wasserhärte.
Die Verwendung von sogenannten „Wachsfluaten“ wird heute noch oft durchgeführt und ist nicht ohne Risiken und Nachteile. Allein die enthaltenen Lösemittel, je nach Hersteller, können starke Allergien auslösen. Ein ungleichmäßiger Auftrag der Wachsfluate kann zu einer Verfleckung führen. Jeder Reinigungsprofi kennt das Problem der sogenannten „Verstrichungen“ durch Schuhe auf einer gewachsten Oberfläche. Eine ordentliche Reinigung und Pflege ist nur mit lösemittelhaltigen Produkten, die auch bei gewachstem Parkett benutzt werden, möglich. Seifen oder Polymerwischpflegen führen auf einer gewachsten Oberfläche in der Regel zu Schlieren. Über Fußbodenheizungen ist diese Methode nicht empfehlenswert.
Um den Kundenwunsch nach Hochglanz des Terrazzobodens zu erfüllen, kann man nach der vollständigen Austrocknung den Boden kristallisieren. Mit Hilfe des klassischen Kristallisationsverfahrens mit Fluorsilikat kann bei einem vorgeschliffenen Terrazzo mit kalkhaltigen Zuschlagsstoffen eine in der Regel geschlossenere und glänzendere Oberfläche durch eine chemische Reaktion zwischen dem Kristallisationsmittel (Magnesium-Hexa-Fluor-Silikat) und dem Gestein erzeugt werden. In diesem Verfahren bilden sich die wasserunlöslichen Magnesiumfluoride, Calciumfluoride, Silikatgel (keine großen Quarzkristalle) und das flüchtige Kohlendioxid entsprechend der Reaktionsgleichung:
MgSiF6 + 2 CaCO3
MgF2 + 2 CaF2 + SiO2 + 2 CO2
Die daraus entstandene Oberfläche setzt sich aus Calciumfluorid (CaF2), Magnesiumfluorid (MgF2) und eingelagerten Quarzen (SiO2) zusammen und ist in der Regel gering wasserdurchlässig. Die erzielbare Schichtdicke ist je nach Gestein und Sorgfalt stark unterschiedlich (max 50µm). Dies erfolgt in Kombination mit einer maschinelle Wärmezufuhr mit speziellen Pads aus Edelstahl oder Kunststoff. Das Verfahren funktioniert bei Hartgestein-, Dolomit- oder Dolomitmarmorzuschlägen nicht. Einen Grundschutz bietet dieses Verfahren nicht. Eine pflegende Reinigung führt in der Regel zu Putzstreifen und man sollte auf rückstandsfreie Reinigungssysteme zurückgreifen.
Statt mit einem Fluorsilikat wird in der Regel „Kleesalz“ als Poliermittel benutzt. Dieses bereits in früher Zeit als Poliermittel benutzte „Salz“ bildet an der Oberfläche eine dünne glänzende Schicht aus Calciumoxalaten. Es ist auch die Standardmethode zum Polieren von Kalksteinen und Marmoren.
Aus der Gebäudereinigung gibt es eine Vielzahl von Porenfüllern und Pflegemitteln auf Basis von Weichpolymeren, die als Einpflege genutzt werden können. Der Vorteil dieser Mittel ist wie bei der Seife die leichte Entfernbarkeit. Nachteilig ist unter anderem die geringere Resistenz gegenüber Alkohol, der sich in Glasreinigern befindet, oder den noch im Boden vorhandenen Alkalien, die die Beschichtung angreifen können.
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