Der Wettkampf im Gehirn


Der Wettkampf im Gehirn

Jeder, der schon einmal an einem Turnier, Wettkampf oder Spiel teilgenommen hat, kennt das Gefühl: Einen Gegenspieler zu haben, das motiviert, sorgt aber auch für jede Menge Nervosität und Stress. Wenn man die Partie dann für sich entscheidet, löst sich die Anspannung.

Gewinner werden außerdem mit einem natürlichen chemischen High des Gehirns belohnt und können sich über jede Menge Glücksgefühle freuen. Aber was genau passiert im Gehirn, wenn wir gewinnen und welche chemischen Vorgänge sind dafür zuständig?


Schachspiel - weiß gewinnt - Dame am Zug

Das Belohnungszentrum

Jeder Mensch hat das instinktive Bedürfnis, sein Belohnungszentrum zu aktivieren. Das sogenannte mesolimbische System ist ein wichtiger Teil des Gehirns und hilft uns, Emotionen wie Freude zu spüren. In diesem Hirnareal wird das Glückshormon Dopamin ausgeschüttet, dass uns in Hochstimmung bringt. Dopamin kann durch verschiedene Tätigkeiten ausgeschüttet werden, so zum Beispiel durch den Verzehr von gewissen Lebensmitteln wie Schokolade oder Käse, durch einen besonders witzigen Film, der zum Lachen anregt oder durch Erfolgserlebnisse. In Tierversuchen wurde dabei festgestellt, dass das Gefühl von Erfolg eine deutlich stärkere Dopaminausschüttung erzeugen kann als Naschen oder Lachen. Dies ist besonders wichtig, denn so wird der stetige Lernprozess gefördert. Wer einen Erfolg erlebt, in dem er eine gute Note auf einen Test bekommt, merkt sich das gute Gefühl und kann daraus Motivation für weitere Lernprozesse schöpfen. So können Verhalten angelernt und positive Angewohnheiten gestärkt werden. Noch stärker ist der Effekt des Erfolgs, wenn man nicht nur ein gutes Ergebnis erreicht, sondern ein besseres Ergebnis als jemand anderes. Dies bezeichnet man auch als den Siegereffekt.

Der Siegereffekt

Im Wettkampf werden verschiedene Prozesse im Gehirn ausgelöst, die uns helfen sollen, bessere Wettstreiter zu werden. Der Körper stößt bereits zu Anfang jede Menge Testosteron aus, das uns dazu bringt, aggressiver zu sein und mutiger zu agieren. Außerdem hilft das Testosteron dabei, egoistischer zu denken. Während ein gemeinschaftlicher Ansatz in vielen Lebenssituationen zu besseren Ergebnissen führt, hilft uns dieses Gefühl dabei, mit anderen in Konkurrenz zu treten. Wer gewinnt, wird mit jeder Menge Dopamin belohnt und durch den Dopamin-Feedback-Kreislauf wird das Verhalten, das zum Sieg geführt hat, als besonders gutes Verhalten im Gehirn gespeichert. Wer also gewinnt, wird das Gefühl um jeden Preis wieder hervorrufen wollen. Dieses Phänomen wurde auch in einer Studie mit 38 männlichen Teilnehmern bewiesen, deren Gehirnaktivitäten in Magnetresonanztomografen gemessen wurden, während sie verschiede Aufgaben lösen mussten. Das Belohnungszentrum hat sich besonders deutlich zu erkennen gegeben, wenn die Teilnehmer eine Aufgabe gut lösen konnten. Zusätzlich erfuhren die Teilnehmer, wie die anderen im Versuch abgeschnitten haben. Besonders bei den Aufgaben, die nur von wenigen richtig gelöst wurden, stieg die Dopaminproduktion an – die Konkurrenz belebte das Gehirn stark.

Der sportliche Wettkampf

Ein bisschen anders sieht das Ganze aus, wenn es sich um einen sportlichen Wettkampf handelt. Hier werden viele der Denkvorgänge für die Zeit des Wettkampfs reduziert, da der Körper sich vor allem auf andere Bereiche wie Muskeln und Atmung fokussieren muss. Wer an seine körperlichen Grenzen geht, wird mit einer starken Endorphinausschüttung belohnt. Endorphine sind körpereigene Opioidpeptide, die eine ähnliche Wirkung wie Morphin haben können – in geringen Dosen sind sie schmerzstillend und beruhigend, ein großer Schub kann jedoch zu einem regelrechten Rauscherlebnis führen. Das Glückshormon wird üblicherweise eher sparsam ausgeschüttet, da die Speicher für Notsituationen vorbehalten sind. So helfen Endorphine in lebensbedrohlichen Situationen dabei, den Lebenswillen aufrecht zu erhalten und rettende Instinkte auszulösen. So können Menschen in gefährlichen Situationen ungeahnte körperliche Kräfte freisetzen, Schmerzen ertragen und Leistungen erbringen, die nicht für möglich gehalten werden. Diese Reaktion des Gehirns kann auch im sportlichen Wettkampf genutzt werden. Das sogenannte Runner’s High ist nämlich genau das: eine Ausschüttung von Endorphinen, sobald der Läufer seine physischen Grenzen erreicht. Auf einmal sind schmerzende Glieder und müde Füße wie weggeblasen, denn der Körper wird mit Endorphinen vollgepumpt.

Wer sich einem Wettkampf stellt, wird mit jeder Menge Glückshormonen belohnt. Genau das ist auch der Grund, warum wir Menschen den ständigen Wettstreit feiern und uns an Fußball-Weltmeisterschaften, Olympischen Spielen und Co. erfreuen – denn auch der Sieg eines Lieblingsteams kann ähnlich Prozesse im Gehirn auslösen, selbst wenn wir nicht wirklich etwas dafür geleistet haben. Um sich die positiven Prozesse des Gehirns zu Nutze zu machen, hilft es, sie zu verstehen. Außerdem ist eine allgemeine Gesundheit, guter Schlaf und eine gesunde Einstellung zum Verlieren und Gewinnen wichtig, um sich ganz auf das berauschende Erlebnis der Glückshormone einlassen zu können.