Der Claus-Prozess ist ein Verfahren zur industriellen Herstellung von Schwefel aus Schwefelwasserstoff. Schwefelwasserstoff entsteht beispielsweise bei der Herstellung von Steinkohlenkoks als Bestandteil des Kokereigases oder bei der Entschwefelung von Erdöl in Raffinerien.
Der Oxidation des Schwefelwasserstoffs läßt sich in zwei Schritte zerlegen[1]:
: ΔH = -4147,2 kJ/mol
: ΔH = -1165,6 kJ/mol Das technische Verfahren läßt sich in 4 Stufen zerlegen:
Die Einhaltung der Stöchiometrie ist extrem wichtig, da sonst überschüssiges SO2 bzw. H2S (im nachfolgenden Incinerator zu SO2 verbrannt) die Umwelt belastet.
Um den Schwefelrückhaltungsgrad weiter zu steigern, sind diverse Verfahren entwickelt worden, die das Abgas hinter den katalytischen Stufen von Schwefelverbindungen reinigen. Das bekannteste ist das sogenannte SCOT-Verfahren (Shell Claus Offgas Treating).
SO2, das im Claus-Verfahren nicht zu Schwefel umgesetzt wurde, wird im SCOT-Verfahren zu H2S hydriert:
: ΔH = -339,6 kJ/mol und zusammen mit dem ebenfalls nicht umgesetzten H2S der 2. katalytischen Stufe über eine Amin-Absorption aus dem Abgasstrom entfernt. Das absorbierte H2S wird wieder freigesetzt und zum Einsatz der Clausanlage zurückgeführt (recycled). Das Abgas wird anschließend wegen der - wenn auch geringen - Spuren an H2S ebenfalls incineriert. Ein guter Schwefelrückhaltungsgrad einer Claus/SCOT-Kombination liegt bei 99,8%.
Bei regenerativen Verfahren zur Rauchgasentschwefelung (z.B. Wellmann-Lord-Verfahren) entsteht SO2, das direkt in eine (vorhandene) Claus-Anlage geleitet werden kann. Hierdurch wird die zusätzliche Investition für die SO2-Aufarbeitung (Hydrierung) gespart. Speziell für Raffinerien ist dies eine interessante Lösung [2].